Bindung: der "mystische" Faktor im Hundetraining

„Ich möchte an der Bindung mit meinem Hund arbeiten.“

…das ist vielleicht der häufigste Wunsch in den Erstberatungen vor den IntensivTrainings für Verhaltensthemen. Sehr oft wurde es dem Klienten von ihren Trainern nahegelegt, oder der Mangel an Bindung wurde ihnen pauschal vor die Füße geworfen. Ich stelle mir immer vor, wie es sich anfühlen würde, wenn mir jemand, der weder mich, mein Leben, meine Möglichkeiten, meinen Hund kennt, sagen würde, dass mein Hund keine Bindung zu mir hätte. Das geht tief und das kann weh tun. Das kann sogar, liebe Kollegen und Kolleginnen, psychische traumatische Erlebnisse triggern. Es fühlt sich an wie ein Vorwurf, wie ein menschliches Versagen, eine Unfähigkeit, die nicht im Leistungsbereich, sondern vielmehr im Bereich meiner Persönlichkeit liegen würde. So etwas passiert, wenn Hundetrainer sich psychologischer Einschätzungen und Bewertungen bedienen, ohne irgendetwas über das Leben, die Erlebnisse und die Erfahrungen ihres Gegenübers zu wissen (oder zu verstehen). Soviel erst einmal zu dieser „Diagnose“. 

Vor uns Hundetrainern steht immer ein Mensch oder eine Familie, mit an der Leine einen Hund, den er sich mit mehr oder weniger Überlegungen ins Leben geholt hat, und für den er auf jeden Fall sehr viele Träume und Hoffnungen hegt. Wir wissen alle, wie schnell sich ein Hund in unser Herz schleicht: Tage oder Wochen, und dann ist er aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich wundere mich sehr oft darüber, was Halter von komplizierten Hunden über die Zeit hinweg aushalten. Wie sie Hilfe suchen, und je nach Hilfe, wie gut sie versuchen, alles umzusetzen. Wie sie ihr Leben nach dem Hund und seinen Bedürfnissen richten, wie sehr sie sich einschränken. Und wenn alle Trainingstricks nicht fruchten, weil diese vielleicht für diesen individuellen Hund und sein Thema nicht die richtigen sind, dann kommt die „Bindungskeule“. An der Kunst dieses Trainers oder dieser Trainerin kann es offenbar nicht liegen. Oder?

Familie mit Hund

So wird diesen verunsicherten Hundehaltern für den Bindungsaufbau eine wilde Palette an Maßnahmen und Veränderungen empfohlen. Hiernach nenne ich einige, die immer wieder erwähnt werden und die ich so gern aus dem Hundewesen komplett gestrichen hätte:

Handfütterung

Handfütterung bedeutet: ein Hund bekommt keine Mahlzeit mehr im Napf (den du vielleicht liebevoll ausgesucht hast), sondern alle Nahrung darf er ausschließlich nur aus deiner Hand bekommen. Motto: „Ich hänge für mein Fortbestehen von der Fütterung durch die Hand meines Menschen ab.“ 
Hund am Futternapf

Mein Fazit: Ein NoGo! Mit diesen Methoden schürt man das Gefühl von Abhängigkeit und Unsicherheit, und zwar in einem Bereich der Basisbedürfnisse: Ernährung. Freude am Essen, Kraft- und Energiegewinnung, Wachstum und Zufuhr von vitalen Nährstoffen werden von der körperlichen Nähe zu seinem Menschen abhängig gemacht und wenn es ganz schlimm kommt, mit dessen Einschätzung wann, wieviel und ob überhaupt das Verhalten gut genug war, um ein Anrecht auf Futter zu bekommen. Verstehen wir dies als „Bindung“? Ich empfehle: Lasst die Finger von solchen Spielchen, sowie auch von Impulskontrollspielchen mit dem Hundenapf: Wegnehmen, sitzen und bleiben lassen und vielleicht erst ein paar Kunststückchen machen. Nein, weg damit: Napf hinstellen, leerfressen lassen. Sauberschlecken lassen und Napf wegnehmen, wenn der Hund ihn freigibt, bzw. ihn verlässt.

Leinenzwang

Leinenzwang bedeutet: Der Hund wird nur noch „bei dir“ an der 1,5m Leine geführt. Er darf nicht frei schnüffeln, stehen bleiben, sich entfernen, um etwas auszukundschaften oder einfach seinen Körper frei bewegen. Er wird zum mobilen Kettenhund. Er muss das „Hund Sein“ ablegen und wie ein Soldat neben seinem Menschen laufen.
Mein Fazit: so oft bekomme ich die Frage, ob meine Hunde eigentlich schnüffeln dürfen? Stehen bleiben dürfen? Sich lösen dürfen, wo auch immer es ihnen passt? Wie kann man nur davon ausgehen, dass abgezwungene physische Nähe und Bewegungseinschränkung irgendwie zu Bindung führen kann? Bindung ist freiwillig, man kann sie nicht durch Nähe erzwingen. Diese Theorie wird tatsächlich sogar noch sublimiert, in dem der Hund nicht markieren darf oder sich nur an bestimmten Stellen lösen darf.  Auch ein NoGo. Wenn Sie einen solchen Hund wollen, sollten er nicht aus Fleisch, Blut, Genetik Hormonen, Nerven und Organen bestehen.  In meinem Training startet die Bindung mit einem intensiven, aber selbstwirksamen Aufmerksamkeitstraining, das durch „Shaping“ etabliert wird. Dabei bekomme ich die Kontaktaufnahme freiwillig und das Herablaufen ebenso und dies ermöglicht recht schnell Freilauf.
Hunde sollen schnüffeln können im Freilauf

Bei Fuss laufen, und nur das

Der Hund sollte nicht vor uns laufen, höchsten neben uns und am liebsten hinter uns. Wie beim Militär, schön an der Hosennaht.

Hund im Freilauf Training

Mein Fazit: Ich stelle es mir sehr anstrengend vor und ich frage mich, wie ich dann mitbekommen kann, was in ihm vorgeht, wenn ich ihn nicht sehen kann? Was hat denn der Hund an einer solchen Gassirunde? Es ist Zwang und Einschränkung und zwar für die ganze Strecke. Wie im vorigen Punkt beschrieben, hat dies nichts mit freiem Willen zu tun. Ich finde es sehr gut, wenn der Hund für eine Sportübung oder für eine kurze Strecke (zum Beispiel vor einer nicht einsehbaren Kurve oder Ecke) neben uns laufen kann ohne Zug an der Leine oder sogar ohne Leine. Aber das gilt nur für ganz besondere Umstände und in kleinem Maße.

Suchspiele untersagen

Schnüffelspiele untersagen: denn wenn wir den Hund ins Schnüffeln schicken, nachdem ich ein Suchobjekt weggelegt habe, schicke ich den Hund von mir weg. Das ist in der Tat das Gegenteil von „zu mir hin“, im Übrigen könnte der Hund sich selber zusätzlich verstärken, in dem er dann selbstständig sucht und sich dabei permanent von mir entfernt.

Mein Fazit: Für wie dumm hält man einen Hund, dass er nicht versteht, dass ohne mein Zutun, er sein Suchobjekt nicht weggelegt bekommt, und er ohne mein Freizeichen er nicht auf die Suche wegsprinten kann? Im Übrigen gibt es in meinen Augen für Hunde nichts spannenderes als Suchaufgaben. Er taucht in seine eigene, ganz besondere Nasenwelt ab und ist dort der einzigartige Spezialist. Er hat daran Freude, und in der Zeit, in der ich sein Suchobjekt weglege, wird sein Körper mit Dopamin geflutet, wegen der freudigen Erwartung. Während des Suchens, übrigens ein intrinsischer Verstärker ist, spült das Serotonin durch sein Blut. Ich kann ihm kein besseres Geschenk geben. Also ja, möglichst viele spannende Suchspiele geben. Was gibst du jemand, mit dem du gern zusammen bist?
Dreieckspiel mit Suchaufgabe für den Hund

Spielzeug wegnehmen

Herumliegendes Spielzeug wegnehmen: denn der Hund sollte nur mit seinem Menschen spielen und nie selbstständig über freudebringende Sachen verfügen können.

Plüschspielzeug für Hunde

Mein Fazit: Es gibt tatsächlich Hunde, die sich sehr gut allein amüsieren können. Darüber freue ich mich immer, denn ich sehe darin einen Grad an Selbstregulierungsfähigkeit, an Lockerheit und Angstfreiheit. Das alles wünsche ich mir für jeden Hund.  Gerade im Training mit verhaltensauffälligen Hunden fehlt mir in den Vorgehensweisen viel zu viel der Fokus auf Freude und Glückshormone. Ohne diese machen wir in der Regel nur bedingt Fortschritte. Wenn ich permanent und allein nur am unpassenden Verhalten arbeite, verliere ich den Hund und seine emotionalen Bedürfnisse aus den Augen, und dadurch auch die Art und Weise, wie er die gemeinsame Zeit mit mir einschätzt. Lasse ihm sein Spielzeug. Es ist nicht „meins“, denn du hast es für ihn gekauft. Stimmt’s?

Ihr merkt es: all diese Maßnahmen kommen aus einer finsternen Zeit, in der das Hundetraining noch mit vornehmlich auf den Thesen der Rangordnung stützte. Was man hier heranzüchtet, ist ein tumber Befehlsempfänger, ein Untertan und kein Freund, mit dem man eine gute Beziehung haben möchte und der für jede mögliche Lösung eines Problems auf dich angewiesen ist. Das ist keine Bindung, das ist Abhängigkeit. 

Ebenfalls müssen wir endlich davon wegkommen, Hunde mit Herausforderndem Verhalten wie „böse Kinder“ zu betrachten. Aussagen wie: „der sagt dir jetzt wo es lang geht“, oder „der hat dich gut im Griff“ implizieren, dass der Hund sich absichtlich daneben benimmt, um uns zu ärgern oder das Sagen zu haben. Im Ernst Meint Ihr, Hunde haben Freude an Ihrem schwierigen Verhalten? Sie sind zu uns gekommen, uns das Leben schwer zu machen? Dazu gibt es später noch einen Blog.

Was ist denn überhaupt Bindung?

Bindung ist etwas, das ziemlich von alleine entsteht, wenn wir einiges richtig machen und keine all zu großen Fehler begehen. Es ist mitunter auch ein psychologischer Fachausdruck, der die unterschiedlichen Qualitäten einer Beziehung beschreibt (nach Bowlby & Ainsworth): es gibt zwischen Kind und Mutter die sichere Bindung, die unsicher-meidende Bindung, die unsicher-ambivalente Bindung und die unsicher-desorganisierte Bindung. Kinder werden durch diese Bindung mit der Mutter für ihr Leben geprägt. Ich lade Euch ein, dies nachzuschlagen. Sicher kann man nicht 100% von Mutter/Kind auf Hund/Mensch übertragen. Aber dennoch ist es eine gute Basis, mal einzuschätzen, wie es mit der Bindung zwischen Dir und deinem Hund aussieht. Ich kann Euch beruhigen: es ist mir in 23 jähren äusserst selten passiert, ein Team mit nicht existenter oder sehr schlechter Bindung ins Training zu bekommen. Klar kann man hier und dort Verbesserungen herbeiführen aber insgesamt fanden die meisten Hunde es schön, bei ihrer Person zu sein.

Es wird tatsächlich für mich in der Verhaltensarbeit sehr schnell sehr deutlich, wie wichtig der Hund seine Person findet, wieviel Sicherheit er von ihr bekommt und wie engagiert er ihr gegenüber auftritt. Die Frage ist, wie ist die Beziehung in der jetzigen Form zustande gekommen? Meine Aufgabe ist nicht, eine Diagnose zu stellen, ich muss nur das Verhalten der beiden Enden der Leine beobachten, das Trainingsziel im Auge behalten und wissen, wo und wie ich Verbesserungen herbeiführen kann. Dazu kläre ich die Hundeperson auf, und unterrichte, wie er für seinen vierbeinigen Freund zum permanenten Leuchtturm wird und keine Ampel, die mal auf grün springt und dann wieder auf gelb oder rot. 

Welche sind die wichtigsten Pfeiler eine Beziehung? Hiernach beschreibe ich in meinen Worten, wie ich persönlich Bindung verstehe. 

Bindung ist Vertrauen

Ich muss Vertrauen haben können zu den Personen, mit denen ich eine Beziehung habe. Wenn das Vertrauen ins Wanken kommt, ist eine Distanzierung nicht mehr fern. So auch will der Hund Vertrauen haben können zu uns. Der Unterschied: Unser Hund hat nur uns. Wir müssen berechenbar sein, wir müssen eindeutig sein, wir sollten ihn nicht unvorbereitet in brenzligen und gefährlichen Situationen bringen oder rennen lassen. Und wenn schwierigere Situationen unvermeidlich sind, sollten wir wissen, dass er Unterstützung braucht und ihm die passende geben. Der Hund wiederum sollte wissen, dass er sich auf mich verlassen kann.

Bindung ist das Gefühl der Sicherheit

Der Hund sollte in seinem Alltag weitgehend angstfrei sein können. Draußen ist das zugegebenermaßen nicht ganz so zu garantieren, aber drinnen sollte er keine Angst haben müssen, schon gar nicht vor seinen Bezugspersonen. Physische Strafen und verbale Ausraster oder Schimpftiraden verbreiten allgemeine Unsicherheit und führen dazu, dass der Hund sich bedroht fühlt. Das bedeutet Dauerstress und kann viele unerwünschte Verhaltensweisen nach sich ziehen. Also: mal kurz „Deutsch sprechen“ oder „ein klare Ansage“ bewirken Einschüchterung aber kein neues Wissen.

Hund findet Sicherheit

Bindung ist Kommunikation

 Lernt die Hundesprache, vor allem die Mikrosignale, denn es macht so viel aus, wenn wir gelernt haben, seine Körpersprache, seine Verhaltensweise und seine kleinen, zufällig aussehenden Manöver zu beobachten. Wenn wir diese schon mal wahrnehmen und verstehen, können wir nicht anderes, als zu verstehen, dass Hunde nichts anderes wollen als Konflikte zu meiden … wenn man sie lässt, in dem man ihnen Zeit und Raum gibt. Zum einen also, sollte er sich verstanden fühlen und wissen und zum anderen sollten wir in unserer Körpersprache und mit den verbalen Signalen eindeutig und klar kommunizieren. Klar bedeutet nicht: streng oder laut oder mit tiefer Stimme, sondern einfach eindeutig. Eindeutig bedeutet: er versteht, was ich sagen will. Ich muss als Mensch überlegen, ob er das, was ich von ihm will, versteht. Hat er das schon mal gelernt, habe ich ihm das beigebracht? Kann er das auch in unterschiedlichen Umständen umsetzen? Sehr häufig verändert sich der Ton sehr schnell, wenn das Hundehirn nicht in der Sekunde reagiert. Hilft meistens nichts und wenn doch, dann erhält man nur Meideverhalten. Keine Bindung.

*Zu dem Thema Körpersprache und Mikro Signale empfehle ich Euch gern mein zweiteiliges Webinar über Mikro-Signale: https://www.dog-ibox.com/de/webinarpaket-mikrosignale-mit-katrien-lismont.html

Bindung ist Wohlbefinden und Zuwendung

Zuwendung für den Hund

Der Hund sollte sich wohl in seiner Haut fühlen, und wenn das nicht der Fall ist, dann sollte er dafür die notwendige Unterstützung erhalten. Nicht „nach dem Urlaub“ oder „nächsten Feiertag“ sondern so schnell wie möglich. Er sollte sich darauf verlassen können, dass auch das wahrgenommen wird und verholfen wird. Knochen, Gelenke und Organe stellen ihr Problem nicht ab, während wir mit oder ohne Hund Urlaub machen. Und bedenkt, dass in vielen Fällen, unsere Vorstellung von Urlaub für viele Hunde erhöhter Stress bedeutet. Hierüber schreibe ich bald ein weiterer Beitrag. Auch das Futter, das er bekommt, sollte ihm Freude und Wohlbefinden bereiten. Wenn er mäkelt, muss etwas geändert und überlegt werden. (Siehe voriger Blog).  Pflege, Vorsorgeuntersuchungen, Achtung für sein Wohlbefinden sind wesentliche Aspekte, die im alltäglichen Trott gern mal untergehen.

*Wenn Ihr erfahren wollt, wie Ihr feststellen könnt, ob sich Euer Hund wohl fühlt und schmerzfrei ist, könnt Ihr Euch das aufgezeichnete Webinar dazu buchen: https://www.dog-ibox.com/de/schmerzen-und-verhalten-weil-hunde-nicht-aua-sagen.html

Bindung ist ein angemessenes Maß an Freiheit und Selbstwirksamkeit

Hiermit meine ich, dass Hunde die Möglichkeit haben sollten, Hund zu sein. Das heißt: ausreichend körperliche Bewegung am liebsten mit Freilauf, wenn er das schon kann. Der Hund sollte Möglichkeiten erhalten zum Erkunden und zum Schnüffeln, Zeit bekommen, etwas kennenzulernen, etwas Neues oder Anderes einzuschätzen. Ohne Zeitdruck, ohne Zwang, ganz in seinem Tempo. Zeigt Eurem Hund, dass er bei Euch die Zeit, den Raum und die Freiheit bekommt, fremde und unbekannte Situationen und Objekt in eigenem Tempo auszukundschaften und einzuschätzen. Wenn die zeit mal knapp ist, dann kürzt die Strecke ab, aber nicht die Schnüffelmöglichkeiten.

 

Bindung ist Erziehung

Abruftraining mit Hund

Ich nutze mittlerweile lieber Erziehung als Training, aber dennoch sollte es immer im Geiste von Hilfe und Unterstützung zu verstehen sein statt von Unterricht. Er sollte die Möglichkeit bekommen, das zu lernen, was wir von ihm im Alltag brauchen: warten, herkommen, im Freilauf in der Nähe bleiben, an lockerer Leine laufen, Blickkontakt und Aufmerksamkeit, Sitz, Platz und stillhalten, auf die Decke gehen und bleiben, wenn das erforderlich ist. Er sollte lernen zu ruhen. All das kann man mit Spiel und Leichtigkeit beibringen in dem man mit positiver Verstärkung erzieht. Das bedeutet: wenn er es richtig macht, bekommt er etwas feines. Erst einmal bei jeder Wiederholung, bis er darüber nicht mehr nachdenken muss. Danach öfter ja als Nein, aber nie ohne Feedback. Es wird leicht übersehen, wie viel richtiges Verhalten Hunde im Laufe eines Tages von sich aus anbieten. Das kann man sehr leicht einfangen und belohnen. Bei der Erziehung finde ich es ganz wichtig: den Hund nicht zu testen, nicht zu warten, bis er einen Fehler macht, um diesen dann zu korrigieren, sondern ihm die Situation so zu gestalten, dass es ihm leichtfällt, sich richtig zu verhalten und er dafür nicht über Fehler erfahren muss, dass es nicht erwünscht ist. Erwünschtes Verhalten – auch ungefragtes – kann man dann ausgiebig belohnen und prompt wird man mehr davon erhalten. Wenn der Hund anfängt, erlerntes und belohntes Verhalten von sich aus anzubieten, sollte man sich nicht „übergangen“ fühlen oder das Gefühl haben. er übernimmt das Kommando, sondern staunen und bewundern, wie schlau der Hund einfach ist, denn was er gelernt hat, bietet er von sich aus an.

Kurzum: Wenn dein Hund sich „verhält“: weniger interpretieren im Sinne der Rangordnung, mehr schauen, was er macht und einfach sich freuen, wenn er ins Denken kommt.

Bindung ist Geduld

Hunde müssen unsere Sprache lernen, ob sie wollen oder nicht. Sie sind jedoch keine Computer, die in Nullkommanichts abgespeicherte Information abfragen können. Was er mit hoher Belohnungshistorik gelernt hat, wird ihm in der Regel leichtfallen, wenn aber die Umstände etwas stressiger sind, dann kann er etwas suchen müssen. Gebt ihm die 2-3 Sekunden, und wenn es sein muss auch 10 oder mehr. Seid bereit punktgenau zu verstärken, wenn das Verhalten produziert wird. Pausen sind genauso wichtig wie die Wiederholungen. Bei jeder Wiederholung wird das verhalten stärker und in den Pausen kann das Hirn die neuen neuronalen Vernetzungen sortieren, wenn Lernphasen intensiv genug waren. Diese Pausen braucht das Hirn.

Bedenkt: Wenn die Übung misslingt, hat der Mensch etwas falsch gemacht oder übersehen.

Bindung ist dem Hund einen Verhaltensrahmen zu gestalten

Alle sprechen von Training und Erziehung, und ja sicherlich ist das wichtig und wesentlich im Zusammenleben mit Hund aber noch wichtiger und effektiver ist es, den Alltag und die Umgebung, in der Ihr mit Euren Hunden lebt, so zu gestalten, dass er nicht wirklich viel unerwünschtes verhalten anstellen kann. Natürlich heißt das nicht, dass er über Stunden in einer Box sitzt, weil er da nichts falsch machen kann. Es geht darum ein sicheres und gefahrenfreies Umfeld zu gewährleisten: die Tür zum Balkon nicht ohne Aufsicht offenlassen, Gartenzaun komplett dicht machen, gutes Equipment am Hund, das nicht bei der ersten Gelegenheit reißt, ihn unterwegs nicht alles essen lassen, einen Stopp einlegen, wenn das Spiel ausartet, ihn nicht ohne Leine aus dem Kofferraum springen lassen, Essbares nicht in seiner Reichweite liegen lassen, anleinen, wenn Radfahrer, Fußgänger, Autos vorbeifahren und so weiter. Ich sehe immer wieder, dass kleinere „UPS“-vorfälle aber auch dramatischere Geschehnisse sich gern bei den selben Kunden mit dem selben Hund ereignen.  Das liegt dann eindeutig nicht am Hund. Das ist die normale und grundsätzliche Verantwortung für unseren Hund als Familienmitglied. Ein guter Verhaltensrahmen ist auch: zum Beispiel sicherzustellen, dass dein Hund ein geeignetes Bett zur Verfügung hat, wenn er Ruhepausen halten muss, oder zu schauen, dass er sich nicht in einer Pfütze ablegen muss, oder ihn vom Fenster Fernhalten, so dass er nicht permanent Vorbeigänger oder Tierchen anbellt.
Bedenkt, dass es immer der Hund bezahlt, wenn es schief geht: sei es mit einer OP, nachdem er etwas unverdauliches gefressen hat, sei es, dass er Leinenpflicht bekommt, oder dass die Nachbarn sich über das Bellen beschweren und der Hund nicht mehr in den Garten darf. Ein Unfall kann immer geschehen, auch mir. Mein erster Reflex ist: Wie konnte das jetzt geschehen und wie kann ich das in Zukunft vorbeugen.

Bindung ist berechenbare Tagesabläufe: die Futterzeit

Feste Futterzeiten etablieren eine Grundsicherheit. Gebt Euren Hund Futter zu geregelten Zeiten. Idealerweise einmal am Morgen und einmal am Abend. Manchmal muss man auf 3 Portionen aufteilen und ja sicher kann sich die Uhrzeit auch mal variieren, der Alltag findet eben in jedem Haushalt statt. Aber auch hier spielt Zuversicht und Ruhe eine große Rolle. Das Fressen ist ein körperlicher Prozess, der nicht unbedingt ständig während Aktivität geschehen sollte. Ebenfalls sind auch für unsere Hunde späte Mahlzeiten nicht zu empfehlen. Stopft den Hund nicht ganztägig mit Kauartikeln, Schleckmatten oder Schnüffelteppichen, damit er sich beruhigt oder beschäftigt. Es hält sein komplettes Verdauungssystem permanent aktiv und das hat früher oder später Folgen: Magen, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle brauchen Ruhepausen, auch am Tag.  Gebt ihm nach den Mahlzeiten eine Ruhezeit, damit die Verdauung ihren Lauf nehmen kann. Hunde, die sich Futter erarbeiten müssen und nur aus unserer Hand bekommen, können unsicheres und angespanntes Verhalten in Sachen Nahrungsmittel entwickeln: Ressourcenthemen, Immer und überall Essbares stehlen und das „Schützen“ der Bezugsperson, die das Futter in der Tasche mit sich trägt. Es bringt nichts: gebt ihm seinen Napf. Tut etwas Gutes drin und freut Euch über seinen gesunden Appetit.

Satt macht sicher, zufrieden und ausgeglichen.

Bindung ist Ruhe und Regenerierung

Das Nervensystem vom Hund, genau wie unseres, braucht viel Ruhe und Schlaf, ganz besonders für Hunde, die Schwierigkeiten mit dem Alltag haben. Tiefschlaf oder entspannte Ruhe müssen gewährt werden, und zwar für viele Stunden am Tag. Ein erwachsener Hund braucht mindestens 16 Stunden Ruhe und Schlaf im 24-Stunden Tag. Wenn sich das Nervensystem nicht regenerieren kann, kommen gern noch weitere Verhaltensthemen hinzu: mangelnde Selbstbeherrschung, Fahrigkeit, Reizbarkeit, Rast- und Ruhelosigkeit. Durch den Dauerstress kann ebenfalls Appetitmangel entstehen und die Lernfähigkeit nimmt spürbar ab. Bei unzureichender Regenerierung bleibt der Sympathikus aktiv und kann der Parasympathikus nicht übernehmen. Das kostet Punkte im Bereich vom ausgeglichenen Verhalten.

*Wer mehr darüber erfahren möchte, wie man das Nervensystem seines Hundes herunterfährt und neustartet, kann sich dieses Webinar anschauen: https://www.dog-ibox.com/de/canine-reset-recorded.html

Ruhepause mit Hund

Wie binde ich dann aktiv Bindung mit meinem Hund auf?

Die wesentliche Basis für eine gute, vertrauensvolle Beziehung zu deinem Hund habe ich oben als Rahmenbedingungen beschrieben. Das sind die Rahmenbedingungen, alle sind gleich wichtig denn Bindung ist nicht nur ein isoliertes Element.

Als aktive Aufbaumaßnahmen gebe ich hier gern folgende Trainingstipps ab:

    • Basis Aufmerksamkeitstraining, in dem ich jede Kontaktaufnahme durch Blick oder Nähe einfange und stark mache. 

    • Dem Hund Zeit und Raum geben, neue Situationen in seinem Tempo kennenzulernen. Hierbei auf seine Mikrosignale einzugehen und die Sachen verarbeiten lassen. 

    • Sachen, die schwierig sein könnten (Tierarztbesuch, Autofahren, Körperpflege, Medikamente verabreichen, Menschen begrüßen) in Ruhe üben und stark machen, so dass er zumindest weiß, was mit ihm geschieht. 

    • Helfen, wenn es schwierig wird, in dem ich gut erlerntes Verhalten abfrage: ein Sitz, ein Vorsitz mit Blickkontakt, ein Handtouch….

    • Couchzeit, und nur kuscheln, wenn auch der Hund seine Freude daran hat. 

    • Allein sein in kleinen Schritten üben. 

    • Ihm/ihr täglich sagen, dass er/sie die Beste ist.

Das Motto ist: Fördern, fordern aber nicht überfordern.

Zum Schluss:

Kein Mythos, keine Mystik, keine Aura, keine Rangordnung.

Bindung ist einfach:  sein mit Hund. 

Wenn du das Gefühl hast, du könntest hierbei Hilfe brauchen: lass uns reden oder schreiben. Du kannst mich erreichen unter der E Mail: info@dogood.de oder per WhatsApp: 0171 3511182

Ich wünsche Euch viel Freude und Freundschaft mit Eurem Hund.

Katrien Lismont

03. August 2026

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Welche Möglichkeiten für die Stärkung der Bindung gibt es bei DOGood?

IntensivTrainings

Schaut gern mal hier die IntensivTrainings (PowerWeekend von 3 oder 4 Tage) oder eine IntensivWoche von 5 Tagen an. Die IntensivTrainings bringen Sie in kurzer Zeit sehr viel Einsicht, Trainingsmöglichkeiten und Erfolgserlebnisse, auf die Sie zu Hause aufbauen können.

Individuellen Online Kurse und Angebote.

Auch diese online Möglichkeiten können Euch in relativ kurzer Zeit auf den Weg der Besserung setzen. 

  • Zwischen Stress und Stille (Für schnelle, starke und sehr bewegliche Hunde, die wenig Konzentration oder Kooperation zeigen) https://dogood.de/zwischen-stress-und-stille-online-kurs/

  • Verhaltensbegleitung online Kurs (für Hunde mit einem oder mehrere auffällige Verhaltensthemen, die auf Angst, Aggression oder Unsicherheit basieren)  https://dogood.de/verhaltensbegleitung-online-kurs/

  • Falls Ihr nicht sicher seid, ob das eine gute Idee war, überhaupt einen Hund ins Leben zu holen: es knirscht in der Familie, es überfordert Euch in allen Bereichen, der Alltag ist jetzt so ganz anders. Es geht hier darum, die Situation systemisch zu visualisieren und Lösungen zu finden, die für alle passend sind. https://dogood.de/sie-und-ihr-hund/

  • Es gibt immer Situationen, in denen es gut ist, wenn der Hund ohne Stress alleine bleiben kann. Baue es zusammen mit ihm auf, mit meiner Hilfe:  https://dogood.de/allein-zuhause-online-kurs/

  • Jeder Hund muss mal zum Onkel Doktor, oder zur Physiotherapie, oder zum Hundefrisör. Lerne zusammen mit mir, mit einfachen und sehr effektiven Übungen, den Hund mental stark zu machen für Untersuchungen und Behandlungen.  https://dogood.de/medical-training-online-kurs