Gelassenheit durch Selbstwirksamkeit bei Begegnungen.

fuesse im wasserJe länger und öfter ich BAT Trainings begleite, um so mehr wird mir klar, wie oft und wie sehr wir die Hunde, die mit Begegnungen Probleme haben, überfordern und falsch verstehen. Ich rede hier von der aktuellen Version des BAT Trainings, BAT 2.0.

Wir führen die Hunde häufig zu schnell, zu nahe an anderen Hunden oder Menschen, Tieren, Autos etc. vorbei. Wir starren uns fest auf bestimmte Auslöser ihres reaktiven Verhaltens obwohl der Auslöser vielleicht nur der Tropfen ist, der das Fass zum überlaufen bringt. Wir verlieren oftmals den Gesamtinhalt des „Fasses“ aus den Augen und betrachten das „reaktive“ Verhalten zu isoliert. Das reaktive Verhalten ist ein Symptom. Eine Summe von vielen Faktoren. Den vielen Faktoren dient es auch auf den Grund zu gehen.

Wie geht BAT eigentlich?

begegungenDas A und O ist ein einfühlsames und sanftes Leinenhandling, das dem Hund so viel wie möglich das Gefühl vermittelt, dass die Leine nicht da ist bzw. sie ihn in keiner Weise behindern oder hemmen kann. Das Leinenhandling alleine ist für Mensch/Hund Teams mit einem deutlichen Kräftegefälle eine Herausforderung an sich. Wendet man es richtig an, ist es jedoch die halbe Miete. Oftmals bekommt man durch die entspannte Leine Reaktionen vom Hund, die man sonst in brenzligen Situationen nie für möglich gehalten hätte. Das ist ein erster Augenöffner. Daher ist dies ein wesentlicher Bestandteil des BAT Trainings.

Das zweite Element ist ein gründliches Wahrnehmen der Körpersignale seines Hundes. Man lernt so zu sagen den eigenen Hund von hinten zu lesen. Anspannungen, deeskalierende Handlungen wie schnüffeln, weg schauen, sich hinsetzen, den Auslöser meiden, werden sehr häufig übersehen, weil sie eben schon recht früh angeboten werden. So früh, dass man selber den Auslöser noch nicht deutlich wahr genommen hat.

Die Faktoren ZEIT und RAUM spielen ebenfalls eine Hauptrolle. Bei den Set Ups (das sind arrangierte Trainingssituationen), wird die Anfangsdistanz so bemessen, dass garantiert keine Reaktion auftritt. Grisha Stewart, die Entwicklerin dieser Methode, hat die Dimension Raum sehr schön in der „Strand Analogie“ dargestellt.
Steht der Hund auf trockenem, festem Boden, so ist er Herr über seine Reaktionen und kann interessiert aber gelassen hin– und wieder wegschauen. Steht dem Hund das Wasser bis zur Nase, so verliert er die Kontrolle und muss er ausfällig reagieren. Dazwischen gibt es noch einige Nuancen, die einem signalisieren können, ob man die Auswahl der Distanz dem Hund weiterhin überlassen kann oder ob man aushelfen sollte, damit er die Fassung nicht verliert.

selbstwirksamkeitZeit ist genau so wichtig, da wir dem Hund überlassen in welchem Tempo er sich dem Auslöser annähert. Es gibt nur eine Ausnahme: wenn der Hund zu direkt und zu schnell auf den Auslöser zugeht, müssen wir ihm da raus helfen.

Helfen heißt in diesem Fall: wir möchten eine Unterbrechung seines Verhaltens veranlassen, damit er sich (und uns) nicht in die Probleme bringt. Auch hier gibt es ein fein abgestuftes System von vielen möglichen Einwirkungen, bei dem leise und stille Hinweise die erste Auswahl sein sollten. Einwirkungen wie Markern, Clickern, verbale Umorientierung oder gar Abbruch und U Turn, gehören zu den lauteren Varianten. Bei BAT dürfen wir lernen leise zu werden.

Wenn alle obengenannte Elemente in einander greifen, wird der Hund auf leise Signale reagieren können. Und spätestens da sehe ich, wie gut und fähig die Hunde sind, mit schwierigen Situationen um zu gehen, wenn sie können wie sie wollen. Wenn wir das Navigationssystem mal ausschalten, und sie selbstwirksam agieren lassen.

Durch die gut organisierten Set Ups ist Gefahr so gut wie ausgeschlossen, niemand muss Angst haben. Durch die Set Ups lernen die Hund Mal für Mal, dass sie durchaus in der Lage sind, Situationen zu bewältigen, und zwar durch eigenes Verhalten. Durch die Set Ups verändert sich etwas auf der emotionalen Ebene, beim Hund wie beim Menschen. Der Hund lernt die Umwelt zur eigenen Verstärkung ein zu setzen. Durch die Set Ups betreiben wir Gegenkonditionierung aber auch Desensibilisierung. Das Gehirn lernt, der Körper lernt, an beiden Enden der Leine. Ich kenne keine stressfreiere Möglichkeit, Begegnungen zu trainieren. Die Fehlerquellen sind geringer als bei vielen anderen Vorgehensweisen.

Dennoch sollte erwähnt werden, dass BAT nicht nur in Set Ups sondern auch unterwegs funktioniert. Wenn man gelernt hat, wie es geht. Und das setzt Übung voraus.

In meinen Seminaren die unter dem Titel „Neue Wege im Umgang mit Leinenaggression“ ausgeschrieben werden, binde ich das BAT Training mit ein. Das Seminar beinhaltet aber noch einiges an Trainingsinstrumenten, die helfen können, mit plötzlichen und überraschenden Momenten um zu gehen und ebenfalls einen Vortrag über die möglichen Ursachen von kompliziertem Verhalten und Aggression an der Leine.