Der will jetzt lieber schnüffeln....

„Es interessiert ihn nicht mehr",
"er mag jetzt lieber den Wegrand abschnüffeln",
"so ist das immer mit ihm, ein Mal hat er Freude dran und dann langweilt es ihn",
"der hat jetzt genug", „der andere Hund ist ihm jetzt egal" et cetera, et cetera, et cetera...

Das und noch viele andere Aussagen höre man schon mal, wenn Hunde sich "weg schnüffeln". Wenn es ein Verhalten gibt, das so oft und so fatal falsch interpretiert wird, ist es das gemeine Schnüffeln.

schnueffeln1Klar schnüffeln Hunde gern und viel. Die Nase ist wohl das wichtigste Sinnesorgan für den Hund und wir Menschen können uns nicht annährend vorstellen, was über die Nase aufgenommen und verarbeitet wird. Die Hundenase ist immer aktiv, sie ortet und peilt und ja, "sie liest die Zeitung", wie man auch gern mal hört.

Zu riechen gibt es für Hunde immer und überall etwas. Nicht nur dort, wo gerade Wild war, oder eine läufige Hündin gelaufen ist, oder wo Leckerchen herum liegen.

Das, was ich „sich wegschnüffeln" nenne, sieht auf dem ersten Blick genau so nach einfachem „Zeitung Lesen" aus. Allerdings muss man den Kontext berücksichtigen, bevor man dem Hund Untugenden wie „Desinteresse" oder „Langeweile" anhängt. Denkt daran: Etiketten sind Hürden!

Beispiel: Lucky ist ein stattlicher Retriever Rüde. Temperamentvoll, bei seinen Reaktionen eher vorwärts ausgerichtet als zurück gezogen. Aber er ist ein unsicherer Hund. Nach einem intensiven Trainingsjahr haben wir ihn ins Mantrailing initiiert. Danach hat sich sein Verhalten um 100% verbessert: er ist gelassener, lockerer und kann auch einfach nett zu Menschen sein. Beim letzten Mantrailing Training kam er fröhlich aus dem Auto, begrüßte die Menschengruppe ausgesprochen nett und war sogar sehr freundlich zu dem einzigen Mann in der Teilnehmergruppe. Das hatte mich kurz ins Staunen versetzt. Er setzte sich vor den Herrn und schaute ihn an. Dann kam der erste Trail. Wir waren ziemlich nahe an der Teilnehmergruppe und ließen den Helfer wegrennen und ihn sogar beim Wegrennen noch ein wenig anheizen. Lucky konnte nur kurz hin schauen und hat sich im Wegrand fest geschnüffelt, fing sogar an, etwas Gras zu fressen. Die Suche war gut, nicht voller Elan aber dennoch hat er gefunden.

schnueffeln2Zweiter Trail: es standen außer Lucky's 2 Personen und mir noch 1 oder 2 Personen im engeren Radius. Wieder ging das Schnüffeln los. Wir haben dann die Umstehenden Personen gebeten, sich weiter zu entfernen, etwa 5 Meter nach hinten. Siehe da, er fühlte sich frei und konnte sich auf den Runner konzentrieren. Dieser Trail war schneller und zielgenauer.
Als Trainerin hatte ich vorhin schon überlegt, wie wir die Konzentration und die Spannung vor dem Start bei Lucky aufrechterhalten konnten. Nach der fröhlichen Begrüßung hätte ich jetzt keine Scheu mehr erwartet. Eigentlich mussten wir lediglich 2 Menschen etwas weiter weg schicken, damit er sich unbehelligt fühlte.

Das kann uns das „im Wegrand schnüffeln" zum Beispiel sagen. Und das tut es öfter als wir denken.

Achtet einfach mal drauf wann Euer Hund das macht, und vor allem auch wo und in welcher Nähe oder Begleitung. Bei welcher Beschäftigung, welchem Sport oder in welchen Umständen? Je nach dem, was für Situationen der Hund mit einem Kontext verknüpft, kann es sein, dass er sich weniger oder mehr wegbeamen muss. Denn genau das ist es: er taucht in seine Nasenwelt ab. Da wo er weiß, was er tut, eine Handlung die ihn beruhigt und unter Hunden auch das Gegenüber beschwichtigt. Nur, wir Menschen verstehen das nicht immer. Und ja, es kann tatsächlich auch ein Wildwechsel sein, oder die Leckerchen von den vorigen Schülern, aber schaut genau hin und helft dem Hund, sich wohl zu fühlen. Dann wird auch das Vertrauen weiter wachsen, zu seinen Personen und in sich selber.