Basics und Standardverhalten...

wichtig für die Alltagsbewältigung.

Bild zu Beginn der TrainingsstundeHäufig frage ich in aufgeregten Situationen, ob der Kunde von seinem Hund ein „Sitz" verlangen kann. Das geht tatsächlich öfters einfach nicht. Der Hund ist abgeschaltet und driftet weg in sein reaktives Gehirn. Sprich, er kann die einfachsten Interaktionen mit seinem Menschen nicht umsetzen.
Das kann passieren. Muss aber nicht für immer so bleiben.

Es mag banal klingen, aber manchmal ist es gar nicht falsch, einfache Handlungen als Standardverhalten auf zu bauen. Das wäre dann beim Hund so, wie wenn wir automatisch wissen, auf welchen Knopf wir drücken, wenn wir in den Aufzug steigen, oder ohne viel Nachdenken unser handgeschaltetes Auto bis zum Ziel fahren und auf unterschiedlichste Verkehrssituationen richtig reagieren können. Es ist wie wenn man eine Akte so häufig in die Hand nimmt und so intensiv bearbeitet, dass sie auf Dauer einfach oben und griffbereit in der Schublade liegt.

So finde ich es ziemlich praktisch, wenn mein Hund flott ein Sitz ausführen kann. Oder wenn er automatisch immer wieder mal Blickkontakt zu mir aufnimmt statt immer am weitesten Ende der Leine in die Umwelt zu starren oder zu schnüffeln. So, wie ich das aufgebaut habe, hat es nicht mit Gängelei oder Einschränkung zu tun. Es hat damit zu tun, dass die Aufmerksamkeit schon mal vorhanden ist und der Hund mich gern mal anschaut, weil es sich immer lohnt. Und wenn die Aufmerksamkeit schon mal da ist, läuft das mit der weiteren Kommunikation viel geschmeidiger.

Ein Standardverhalten ist eine Handlung oder ein Verhalten, das für den Hund so eine hohe Belohnungshistorik hat, dass er das in vielen Situationen von sich aus anbietet. Der Vorteil davon ist zusätzlich, dass er es auch umsetzen kann, wenn die Umwelt gerade etwas brenzliger für ihn wird. Ein Standardverhalten kann natürlich auch etwas sein, was er sich selber beibringt weil es funktional verstärkt wird. Zum Beispiel wenn er die Möglichkeit hat, ständig an strammer Leine die Nase auf dem Boden zu haben, oder beim Freilauf einfach nur seines Wegs zu gehen kann, ohne sich um zu schauen.

Gleiche Trainingsstunde, 20 Min. späterWorauf ich hinaus will: einfache kleine Handlungen, die dem Hund nicht schwer fallen, können am besten täglich verstärkt werden. Erst einmal in neutralen und reizarmen Situationen und Umgebungen. Nach und nach aber ist es wichtig, diese auch in reizvollem Umfeld zu trainieren. Trainieren heißt nicht mehr als: Handlung abfragen, mit Marker verstärken und belohnen. Die Belohnung muss dabei noch nicht mal immer ein Bröckchen Futter sein: das kann durchaus mal ein Action Spielchen, ein Läufchen oder ein Schnüffeln im Graben sein.
So kann man das Sitz abfragen bevor man den Hund ableint. Oder bevor man ihn in die Wiese, in den Graben, wo auch immer schickt. Man kann Freigaben oder Spielsequenzen sehr gut als Belohnung einsetzen.

Die Aufmerksamkeit wiederum fängt man einfach durchs „Shapen" ein: man markert jeden Blickkontakt und belohnt ihn (bei sich). Anfangs in hoher Frequenz mit der Zeit unregelmäßig. Ich ignoriere NIE einen Blickkontakt. Manchmal sage ich einfach nur etwas Nettes oder renne ein Stückchen mit ihm oder werfe ihm sein Spielie.

Es ist nicht schwer oder kompliziert aber so wichtig, vor allem, wenn man temperamentvolle oder reizbare Hunde hat, diesen Blickkontakt und einige Ruhepositionen zu verstärken. Oft und überraschend. Es macht viele Interaktionen einfacher und prompter und na ja, vielleicht verbessert es einfach die oh so gern gepriesene „Bindung" und Nähe? Aber das Beste ist noch: es kann sogar sein, dass er das Verhalten von sich anbietet, statt auf anderes "eingebautes" Verhalten zurück zu fallen. Ist das nicht  praktisch für den Alltag?

Und wenn diese schon gut sitzen, dann kann man die Palette weiter ausbauen und vor allem Spaß am lernen mit dem Hund haben.

Wer diesbezüglich mit seinem Hund weiter kommen will kann sich dem Kurs „...KÖNNEN WIR!" anschauen.