Belohnen – alles Leckerlies oder was?

Lecker Blog
„Nala war eine Woche im Intensivtraining.
Am Montag war sie ein unansprechbares Nervenbündel, das nur bellte, hochsprang und andere Hunde angekeift hat. Das Bild ist vom Freitag Nachmittag, als sie in der Lage ist, an einem Gruppentraining teil zu nehmen, liegend auf ihrer Decke und den anderen Hunden zuschauend.
Ihr Herrchen hat permanent das gute Verhalten eingefangen und vermehrt. Und wir haben natürlich die Basis Tools aufgebaut."
Wenn Ihre ersten Worte, wenn Sie an der Hundeschule aus dem Auto steigen, folgende sind:

  • „es klappt alles nicht mehr"
  • „Sie/er kommt nicht mehr wenn ich rufe!"
  • „Er hört auf seinen Namen nicht mehr"
  • „Er macht es nur, wenn er will"
  • „Er nimmt mich nicht wahr wenn ich keine Leckerchen dabei habe"
  • „Der hängt nur noch an meine Leckerchentasche"
  • und--- so---weiter

Dann stimmt tatsächlich das Training nicht. Wenn gelerntes Verhalten wieder schwindet, stimmt nicht nur das Training nicht, sondern wir haben das Verhalten nicht mehr verstärkt oder durch irgendein Element abgeschwächt. Markertraining besteht nicht nur aus einem Markerwort und einem Leckerchen. Wenn Sie zu den glücklichen Menschen gehören, die einen Hund mit einem großen Appetit haben, sind Sie klar im Vorteil. Dennoch will ich noch mal betonen, dass Markertraining nicht einfach Leckerchentraining ist.

Woraus besteht Markertraining dann noch? Es besteht aus:

  • einem knackigen Markerwort, das sehr gut aufgebaut und verfestigt ist und die Kraft eines Zauberwortes hat,
  • passender Belohnung. Das kann Futter sein, aber auch ein Spielzeug oder eine geliebte Handlung wie Schnüffeln, Buddeln, ins Wasser springen, mit mir einen Spasslauf machen, Zergeln etc. Nicht wir entscheiden für den Hund, was SEIN Verhalten verstärken wird. Es sind die Bedürfnisse und Vorlieben des Hundes die darüber entscheiden - egal, ob die Idee mir gefällt oder nicht. 
  • gutem Timing: wir fangen sekundengenau sowohl spontan angebotenes gutes Verhalten ein, so wie wir auch die Übungen und Handlungen, die wir von ihm verlangen, mit Marker und Belohnung verstärken.
  • Einem netten und „normalen" Ton. Weder Nörgeln noch drängeln noch lauter werden hilft der Sache. Aber bitte: wir REDEN und sagen dem Hund, was wir wollen.
  •  guter Ausrüstung: ein komfortabel sitzendes Geschirr in Kombination mit einer leichten Leine von 2,5 bis 5 Metern mit leichtem Karabiner. Das bedeutet eine Investition von ca. €60,00. Komfort ist das Gegenteil von Stress.
  • der Bereitschaft mit dem Hund über gut aufgebaute verbale Signale zu kommunizieren und nicht über Einwirkung auf der Leine, körperliche Einschränkungen oder Bedrohungen
  • der Bereitschaft, die Körpersprache des Hunde zu beobachten und zu lernen diese zu deuten. Wenn der Hund sich in einer Stress Situation befindet wird das Lernen extrem erschwert.
  • der Bereitschaft, dem Hund proaktiv Hilfe zu bieten in Momenten wo er wahrscheinlich einen Fehler machen wird. So vermeiden wir den Fehler und der Hund lernt wie gewünscht mit einer bestimmten Situation umgehen
  • kleinschrittigem Trainingsaufbau mit vielen Wiederholungen, die für den Hund zum Erfolg führen. Dadurch werden „Übungen" zum Verhalten.

Ich denke, ich habe die wichtigsten Elemente hier aufgelistet. Das klingt nach viel, aber die meisten Faktoren müssen generell im Hundetraining berücksichtigt werden.

Das Clicker/Markertraining ist die Methode, die auf das universale Lernsystem der Säugetiere ausgerichtet ist. Das Motto ist. „Wenn es mir etwas Gutes bringt, wiederhole ich das Verhalten immer schneller, öfter, intensiver, länger oder gleichbleibend gut!"

Zu diesem Thema noch eine treffende Aussage einer meiner Lehrerinnen:

"Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erstmal seine eigenen Fähigkeiten"
Dr. rer. nat. Ute Blaschke- Berthold

Das heißt: wir bauen mit Marker & Belohnung erwünschtes Verhalten auf und konzentrieren uns auf das, was der Hund uns anbietet. Ja, jeder Hund bietet gutes Verhalten an.
Wer unerwünschtes Verhalten durch Strafeinwirkung abbauen will, bekommt die Rechnung. Diese kann viele Gesichter haben. Darüber mehr in einem meiner nächsten Blogs.

In diesem Sinne: gute und passende Belohnung für den Hund raus finden und los legen!

Alles Liebe
Katrien Lismont