Einige Gedanken zu Märchen und Pseudo Hundewissen

Einerseits muss ich immer ein wenig schmunzeln, wenn ich mir die Vorwürfe und Aussagen anderer Hundetrainer anhöre, wenn die Leute voller Zweifel und entnervt mit einem jungen aufgedrehten Hund erscheinen. Sie sind so stereotyp und transparent. Andererseits wiederum ärgere ich mich, weil man mit Sprüchen keinem Menschen hilft, einem Hund schon gar nicht, dafür sich selber gern ein bisschen als besonders und mystisch begnadet darstellt.

Wie dem auch sei, hier mal ein Märchen und meine Gedanken dazu:

welpenSzenario:
Welpenspielgruppe, mehr als 15 herumtollenden Welpen. Die Hundehalter stehen am Rande und unterhalten sich, die/der Trainer ist nicht zugegen sondern unterhält sich auch anderweitig. In der Zeit können die Welpen, groß und klein, älter und blutjung toben und hetzen und rempeln und beißen und hacken. Keine Moderation, weder von den eigenen Menschen noch vom Betreuer. Dann kommt ein Übungsintermezzo:
Hundehalter soll mit seinem Welpen an den anderen Welpen vorbei gehen. Welpchen versteht nicht, dass das nun eine Übungssituation ist und regt sich einfach weiter auf und schreit die anderen Welpen an.

Hundehalter: Warum macht er das?
Trainer: Weil Sie es noch nicht geschafft haben, ihm Vertrauen einzuflössen. Ihr Hund hat kein Vertrauen zu Ihnen.
Hundehalter: ???? (denkt: und jetzt??)

Meine Antwort: Vertrauen muss wachsen können und sich vermehren. Wie kann es sich vermehren, wenn ein Kleinwüchsiger Welpe eine Stunde lang einer zu großen Horde Welpen jeder Größe und unterschiedlichen Alters ausgesetzt wird und gucken muss wo er bleibt. Kein Mensch gibt ihm Schutz oder Ruhe oder irgendeine Information. Wo und wie soll denn da Vertrauen entstehen? Wie und wann soll der Welpe sich in der Nähe der Horde, auch wenn er an der Leine ist, beruhigen können?

Meine Lösung: kleine Gruppen, wenn überhaupt noch Welpengruppe (max. 4-6 Welpen) moderiert und mit Lern- und Entspannungspausen, kurze Spielsequenzen, Aufmerksamkeitstraining. Aber ganz ehrlich: 2 Welpen reichen um Sozialverhalten zu erlernen. Auch ein einzelner ausgeglichener erwachsener Hund tut es.

Und so wenig wie der Welpe in solch einer Stunde lernt, genau so wenig gehaltvolle Unterstützung bekommt ein Mensch, der es wissen will, wenn er hört, sein Hund vertraut ihm nicht, weil...
WIE es geht wird nicht erzählt. Aber es kreiert vielleicht eine mystische Aura um den Hundetrainer. Er muss nichts erklären, nur aussagen.
Nur... WIE geht es?

Mein Tipp: Seien Sie kritisch und hinterfragen Sie Aussagen.

Fragen Sie:

  • Wie geht das?
  • Was sollte ich machen?
  • Wie und womit kann ich das verbessern?
  • Was genau macht man da?
  • Kannst du mir das mal zeigen?

Lassen Sie sich nicht irreführen durch vages Pseudo Hundewissen. Sondern zeigen Sie, dass Sie da sind, um zu lernen wie es besser geht.

Übrigens gilt dies genau so dafür, wenn Ihnen gesagt wird:
Sie müssen Persönlichkeit ausstrahlen, ein Energiefeld aufbauen, Ihr Hund spiegelt Ihre Unsicherheit, Ihr Hund spürt Ihre Unentschlossenheit, Ihr Hund übernimmt die Führung etc... Hinterfragen!
Und erst, wenn Sie Antworten bekommen, die Ihnen einleuchten, die Sie nachvollziehen können, dann können Sie anfangen etwas zu lernen und etwas zu verändern.
Ich helfe Ihnen gern dabei!