„Empowerment"

Es ist das neue englische Wort im Hundetraining. Es ist – auch für inaktive Übersetzer wie mich – schwer zu übersetzen.

„To empower" heißt: jemandem Macht verleihen. Das Wörtchen Macht aber wieder... Auf Hundetraining umgelegt: Jemandem etwas zu ermöglichen, Zusehen, dass jemand in der Lage ist....seine eigene Situation zu beeinflussen.

Was bedeutet das nun fürs Hundetraining? Es ist keine neue Entdeckung, sondern schon immer bekannt, dass Hunde, die auf der Basis positiver Verstärkung erzogen werden, gefördert werden, frei von Ängsten sind und dadurch kein Meideverhalten zeigen müssen. Es bedeutet, dass die natürliche Neugier am Leben erhalten bleibt. Neugier macht schlau. Es bedeutet, dass die Hunde sich in der Regel ohne Zögerung in neue Situationen trauen, an neue Sachen heran wagen.
Für uns Trainer bedeutet das, dass viele Hürden einfach nicht da sind. Dass unsere Aufgabe nur daraus besteht, den Hund an das neue heran zu führen und zu schauen, wie er das neue umsetzen kann.

Ich persönlich konnte es in zwei Fortbildungen fest stellen:
Wenonah ist ein Kind der positiven Verstärkung. Sie hat jedoch ordentlich Pfeffer im Hintern. Dadurch hat sich unser Laufen an lockerer Leine etwas zäh gestaltet, aber wir sind im Moment an einem sehr zufrieden stellenden Punkt angekommen. Am Mantrailing Wochenende hatte ich damit gerechnet, dass sie sich durch die mühsam aufgebaute Empfindlichkeit gegen Zug am Geschirr ausbremsen lassen würde. Nichts von alledem. Nachdem sie verstanden hatte, dass Ziehen erlaubt ist, war sie zielgerichtet und blitzartig effizient hinter dem „Opfer" her. Loslaufen – Gas geben – Finden. Und von wegen unsere Hunde würden nur für Leckerchen arbeiten! Sie hat sich weder auf die gefundene Person gestürzt weil diese eine Tüte voller Wurst und Käse dabei hatte, noch war sie sonderlich von der Belohnung nachher angezogen. Das Finden war erfüllend. Was mich hier sehr beeindruckt hat war die Leichtigkeit mit der sie eine neue Aufgabe verstanden und ausgeführt hat. Keine Hemmungen, kein Meideverhalten, kein müssen. Nun ist Mantrailing die Beschäftigung par Excellence, bei der Hunde das tun dürfen, was sie am besten können, Schnüffeln und fährten. Das ist die Person das notwendige Übel am anderen Ende der Leine... Empowerment pur.

Beim Wochenendseminar „Hoopers Agility" ging es uns genau so. Die Trainingshalle war zwar großzügig, aber dass in einer Ecke 5-7 andere Hunde hockten, war für Wenonah neu und sehr ablenkend. Dennoch haben wir – fast nur durch Einsatz des Belohnungsspielzeugs (Tigger) – das Ziel des Seminars erreicht: Im Freilauf durch mehrere Hoops und Tunnel, am Ende sogar auf Distanz zum Frauchen. Michael Kroner hat uns in der kleinschrittigen Aufbauarbeit begleitet, aber hat den Menschen und Hunden dennoch zügig Fortschritte zugemutet. Und bei dieser Beschäftigung war es sehr interessant zu sehen, wie schwer es den Menschen fällt, sich von der Hilfe am Hund zu lösen, und ihm etwas zu zu trauen. Empowerment. Ohne das geht es nicht – auch nicht bei Hoopers Agility.

Schöne Erfahrungen für mich mit meiner Wenonah, die mir zeigen, dass dieser Weg und nur dieser für uns der richtige ist. Ich bin sehr dankbar dafür.