In jedem Monat die Geschichte eines Hundes und seiner Menschen,
die mich besonders beeindruckt haben...

Emma Juli 2016

 

 

Emma, ein stattlicher Mix aus American Bulldog und Schäferhund, kam mit 5,5 Jahren wegen Leinenreaktivität zu mir in die Praxis. Sie hatte schon einiges an Hundeschulen und Trainingstechniken hinter sich. Meistens keine netten.

Dennoch hat keine dieser Trainingsmethoden sie davon abhalten können wie ein Bulldozer in die Leine zu dreschen. Sie hatte Frauchen schon einige gesundheitliche Probleme gekostet und war unterwegs sehr erregt und schnell gereizt. Sie reagierte, wenn sie einen Hund auf sehr großer Distanz sah. Mit Schmackes! Das größte aber das vorrangigste Problem im Training war es, Emma erst einmal leinenführig zu machen.

Wenn wir sie bald ins BAT Training (für Begegnungen) nehmen wollten, sollte sie nicht mehr alle 5 Schritte nach vorne dreschen. Gesagt, getan.

Frauchen hat sich mächtig ins Zeug gelegt und hat das Aufmerksamkeits- und Leinentraining konsequent durch gezogen. Nach knappen 4 Wochen war es so weit und Emma trat ihr erstes BAT Training an.

Ich habe sie selber geführt. Es war nicht einfach. Es war sogar alles andere als ideal. Wir mussten die Distanz groß halten, weil Emma neben dem Ziehen an der Leine noch häufig zu lange in die Richtung des anderen Hundes fixiert hatte.
Wir waren in dem Begegnungstraining noch zu viel mit der Leinenführigkeit beschäftigt, die zwar an den normalen Alltagsspaziergängen bereits gut war aber im Begegnungstraining durch die Erregung wieder stark schlimmer wurde.

Wir haben uns nicht entmutigen lassen und Frauchen hat eine Woche lang noch weiter am Leinentraining gearbeitet.

Eine Woche später kamen Emma und Frauchen wieder ins BAT Training, diesmal übernahm Frauchen die Leine. Diesmal blieb die Leine locker und Emma konnte sich schnell beruhigen. Sie entdeckte die eigenen Fähigkeiten, mit der Situation einer Begegnung klar zu kommen. Beschwichtigendes unauffälliges Verhalten und die eigene Wahl, die Distanz zu vergrössern, wenn es zu brenzlig wurde.

Das Eis ist gebrochen, ab nun geht es aufwärts. Wir reden von einer Zeitspanne von 8 Wochen, mit 2 x 2 Wochen Urlaub mitten drin. Das ist phänomenal für einen Hund der 5,5 Jahre dieses verhalten zeigen konnte.

Der Fall Emma mal wieder ein Beweis dafür, dass Leinenreaktivität, so wie auch erregtes Verhalten sind oftmals ein Symptom von mehreren Sachen die schief laufen.
Wenn nur an dem Symptom herum gedoktert wird, hat nur der Trainer etwas davon.
Sind Mensch und Hund jedoch bereit, auch das Basistraining noch mal in Angriff zu nehmen und an den allgemeinen Haltungsbedingungen etwas zu ändern, wird man sehen, dass mehr Ruhe an der Leine einkehrt und der Hund auch konzentrierter bei der Sache ist. Es zahlt sich aus. Es liegt in Ihrer Hand.