Dezember 2013 Ilios

 

Ilios – ein Plädoyer für ganzheitliches Markertraining.

Diesen Monat schreibe ich über Ilios. Über unseren Großen. Ein stattlicher Boxerrüde, 36 kg,  schlank, stark und sehr sehr sensibel.

Ilios kam als Welpe zu uns. Sozusagen als "unbeschriebenes" Blatt. Jedoch hatte ich bei meinen Besuchen am Wurf in den 2 letzten Wochen schon fest gestellt, dass es ziemlich häufig sehr hoch her ging. ich dachte, das legt sich, wenn er mal unter die Fittiche von Daisy und Dakota kommt.

Damals hatte ich noch keine Welpenschule und ich besuchte einen Hundeverein mit ihm. Eine nicht so glückliche Entscheidung, wie sich rasch heraus stellte. In einer Gruppe von 12-18 Welpen in seiner Altersklasse fiel er sofort auf. Er mobbte, unterdrückte und schüchterte kleinwüchsige Welpen ein ohne viel Warnen. Die Interaktion zwischen den Zwergen wurde nicht moderiert. Wir wurden zu den Junghunden versetzt, in der Hoffnung, dass er da auf einen Kollegen stoßen würde, der ihm mal ordentlich Bescheid sagen würde. Fehlanzeige. Kurzum: nach 3 Welpentrainings suchten wir das Weite. Er hatte dort leider nicht viel Gutes gelernt und wir waren frustriert und beunruhigt. Mit 6-7 Monaten fing er an, sehr heftiges und reaktives Verhalten an den Tag zu legen. Für uns, ohne ersichtlichen Grund. Das Verhalten war schwierig. So schwierig, dass ich manchmal heulend vor Verzweiflung vom Gassigehen nach Hause kam. Die Stimmung war trübe nach jedem Spaziergang. Im Haus ist er immer ein sehr ruhiger sanfter Hund gewesen. Draussen jedoch stieg er in die Leine, biss um sich rum und schrie, ja kreischte.  Er bekam dabei Nickhautvorfälle, weil er soviel Druck im Kopf und in den Augen hatte. Ich befand mich zu der Zeit in einer Ausbildung, die auf Stressreduktion und Parallel Walking basierte. Keine Abhilfe. Emotionale Stressablösungen, Tests, Tierkommunikationen aller Art. Massnahmen die ich durchaus sehr hilfreich finde, aber leider besserte sich nichts. Im Gegenteil. Ich war zweifach ausgebildete Hundetrainerin, und ich wusste nicht, was zu tun als wir draussen eine Begegnung hatten.

Dann kamen wir zum Markertraining. Wir sind eine Woche lang durch die Hölle in Oberammergau.  -Zig Hunde im Hundesporthotel, mitten im Ort, Gruppentraining hinter Abschottungen, zwei Mal eine Stunde am Tag. Ich lernte das Markern von der Pike auf, im Schnelldurchgang in dieser ersten Woche MIT einem aufgeregten Hund an der Leine. Es wr anfangs schwer, zu ihm durch zu kommen. Aber... am Freitag der gleichen Woche konnte man ein deutliches Resultat sehen. Er blieb bei sich, blieb ansprechbar, kein Toben, Kreischen, Ziehen. Er war immer noch sehr aufgeregt, aber er konnte sich beherrschen. WENN ich ihm Hilfe gab. Plötzlich machte auch die Botschaft einer Tierkommunikatorin einen Sinn. Damals meinte er, ER hätte kein Problem. ICH sollte ihm nur zeigen, was er zu tun hätte. Bingo. Wertvolle Cumcane Trainingselemente nach Ute Blaschke-Berthold, weiteres Markerwissen von Jane Killion, BAT von Grisha Stewart, Emily Larlham, Chirag Patel, Pamela Dennison, gutes Futter, medizinische Maßnahmen wie TTouch ergänzten meinen Umgang mit ihm, und natürlich profitierte auch meine Hundeschule davon.

Sein Alter von 8,5 jahren hat ihn nicht echt ruhiger oder gelassener werden lassen. Er hat immer noch oftmals vor Aufregung eine Schaumkrone über den Brauen. :-) Aber er ist ansprechbar, kann Alternativverhalten umsetzen und zieht nicht mehr an der Leine. Mit der notwendigen Hilfe ist er heute sogar recht gut zu hantieren.

Um diesen Text zu schreiben, musste ich kurz in die Vergangenheit abtauchen. Das habe ich seit Jahren nicht mehr gemacht. Es würde mir heute nicht weiter helfen darauf zu prahlen, dass er uns nicht mehr ins Knie beisst ... Ich will dort nicht mehr hin. Und ich wette, er auch nicht. Er ist unser großer und weiser heute, auch wenn er draußen ab und zu noch mal Probleme mit Auslösern hat. Wir können es handeln, aufrecht stehen, leise mit ihm reden, keine Angst haben. Wir lieben ihn und hoffen, dass er noch viele Jahre in guter Gesundheit bei uns bleiben kann.