Januar 2015 Carlo


Carlo ist ein hochbeiniger eleganter Boxer, dynamisch und voller Bewegungsdrang.

Seine Menschen kamen zu mir als er 16 Monate alt war und schon 37 Kilo auf die Waage brachte. Ein Muskelprotz mit Bärenkraft, schnell und heftig in der Reaktion. Seine Menschen haben es von Anfang gut mit ihm gemeint und sind vom ersten Tag mit ihm in die Welpenschule. Die Welpenschule beinhaltete Spiel, Freilauf und noch mal Spiel. Leider wenig oder keine Erziehung.

Von Anfang an war Carlo ein Wildfang, grobmotorisch und schwer an der Leine zu hantieren. Im Laufe der Jugendentwicklung wurde es zusehends schwerer anderen Hunden mit ihm zu begegnen. War er mal frei, passiert nichts, außer wildem Spiel. War er jedoch an der Leine legte er sich hin und sank komplett in die Unansprechbarkeit ab.

Mehrere Umstände führten dazu, dass Carlo oftmals Trainer/Hundeschule gewechselt hat. Im Laufe seines ersten Lebensjahrs wurden die diversen Ratschläge aus unterschiedlichsten Trainingsmethoden angewandt:
von Futterration im Training verabreichen, bis Abdrängen und einiges mehr. Leider konnte Carlo nicht mit Futter belohnt werden, da er ernsthafte Appetitstörungen hatte. Bis die Trainerin kam, die ihn als gefährlich und aggressiv gegen Mensch und Tier einstufte und zur Abgabe geraten hat.
Fast kam es soweit, aber zum Glück konnte niemand anders bei Carlo Gefahr und Aggression erkennen. Dennoch kam es für ihn ab hier noch mal ganz dicke:
Im herkömmlichen Hundevereinsstil wurde er mit massivstem Leinenruck und Würgen an der Kette, so wie auch mit körperlicher Einwirkung bearbeitet.

So kam es, dass er bei Begegnungen tatsächlich aggressiv reagierte und zwar rückgerichtet an seine Menschen. Eine traurige und nutzlose Entwicklung. Alles in allem hatte Carlo 7 Trainerstationen hinter sich, als er bei uns landete.

Wir fingen das Markertraining an. Es war mühsam, da er mit Futter schlecht belohnbar war - fast überhaupt nicht - wenn man sich überlegt, dass der junge Mann seinen Napf mit BARF Futter stehen ließ.

Parallel zum Training riet ich zu einem Besuch beim Tierphysio/Osteopathen, eine Massnahme die nach der ersten Behandlung bereits wie Wunder wirkte. Einige Blockaden in der Wirbelsäule wurden gelöst und er konnte wieder mit Appetit fressen. Bestimmt haben die Lösungen der Blockaden auch noch andere Verhaltensweisen positiv beeinflusst.

Seither kommen Carlo und seine Menschen sehr häufig ins Training. Anfangs Einzeltrainings und danach Gassipartnertrainings zum Üben von Begegnungen. Mittlerweile beteiligt sich das Trio an ganz normalen Gruppenstunden und von mal zu mal wird Carlo gelassener, aufmerksamer, überlegter.
Es hat eine Zeit gedauert, bis er sich an seine Menschen orientieren konnte: eine klare Folge der unsanften Methoden in der Vergangenheit, gerade in der Zeit seiner jugendlichen Entwicklung. Das sind die Kosten von aversiven Trainingsmethoden und man kann sie nicht vom einem Tag auf den anderen abstellen.

Zum Glück ist das lang nicht mehr unsere Sorge. Carlo ist und wird ein quirliger Kerl bleiben. Mittlerweile sind seine Bewegungen und Reaktionen viel „runder", weicher und viel entspannter, die Trainings mit ihm sind richtig hoffnunggebend. Eine spannende Geschichte mit gutem Ausgang. Dank seiner Menschen ist er nun seit 5 Monaten auf dem besten Wege. Sie haben weder Zeit noch Kosten gespart, die Erziehung und Umerziehung voran zu treiben. Meinen tiefen Dank dafür. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Carlo und seine Menschen sehen darf.